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Heute für morgen handeln – Die nächste Generation auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft

«Kein Essen in den Müll» - Mit diesem Kinderbuchtitel des Ostschweizer Kinderbuchautors Stephan Sigg begann für die Mörschwiler Schüler Anfang Juni die Sonderwoche «Heute für morgen handeln». Passend zum Thema konnte ich den Schülern der 6. Klasse in zwei Lektionen ergänzend einen Einblick in nachhaltiges Reisen geben.

Einstieg ins Thema Ressourcen sparen

In einer Kick-off-Veranstaltung entführte Stephan Sigg mit seiner Lesung sowohl Schüler, als auch Lehrer und Eltern in eines seiner Bücher der „Lena-Reihe“. Der Kinderalltag wird darin zur Bühne für nachhaltige Themen wie Food Waste, Recycling, Umweltschutz u.ä. In der darauf folgenden Sonderwoche wurden die Schüler der gesamten Primarschule in Theorie und Praxis noch näher an verantwor-tungsbewusstes Handeln herangeführt. In gemischten Gruppen, die sich aus Kindern vom Kindergarten bis zur 6. Klasse zusammen-setzten, wurde gebacken, gekocht, genäht, getöpfert, gelötet, gehämmert und gemeinschaftlich der „Wake-up“-Song gesungen. Die Grundidee des Ablaufs kam aus dem „Lerngarten“ des Regionaldidak-tischen Zentrums Wattwil (RDZ). In 5 ver-schiedenen Themenbereichen lernten die Schüler mit Ressourcen nachhaltig umzugehen.

Eine Energiestadt als Motivator

„Wake up!“ – Aufwachen! Ressourcen sparen! Wiederverwenden! Die nächste Generation muss das von Klein auf lernen, sonst entsteht kein Wandel.

Den Anstoss für diesen Anlass erhielt die Schule bereits 2019 von der politischen Gemeinde Mörschwil.  Diese wurde 2015 mit dem Label „Energiestadt“ zertifiziert und strebt eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde an. Dazu gehört vor allem auch der Nachwuchs sowie die Schulgemeinde Mörschwil mit ihrer Vorbildfunktion.

Eine ergebnisreiche Sonderwoche

2019 in den Startlöchern, 2020 aufgrund Lockdowns stillgelegt und reorganisiert, 2021 erneut durch Covid-19 ausgebremst. So verlief die Planung der Sonderwoche. Tanja Biehle und ihrem  Projektteam wurde einiges an Flexibilität und Geduld abverlangt. 

Doch schliesslich war es ein voller Erfolg. In einem grossen Abschlussevent konnten Eltern, Verwandte und Mitbürger die grossartigen Ergebnisse begutachten und teilweise auch kaufen: kleine Solarfahrzeuge, Selbstgenähtes aus alten Kleidern, Gekochtes und Gebackenes, Hochbeete und Sofas aus alten Paletten. Gleichzeitig lernten die Kinder Wasser und andere Ressourcen zu sparen und stellten dies anschaulich dar, was wir bisher verbrauchen. Beim grossen Finale, dem Abschlussevent, gab es zum ersten Mal anstatt Bratwurst vegetarische „Chäshörnli“ mit Apfelmus, von den lokalen Bäuerinnen geerntet und produziert. Ein wahrhaft nachhaltiges Projekt zum Thema Nachhaltigkeit. 

Nachhaltiges Reisen im Schulunterricht

Wenn die Kinder beginnen, dieses Handeln für morgen im Alltag zu leben, wird Nachhaltigkeit ein Teil ihrer Grundeinstellung, quasi ihrer DNA. Wie sie diese auch auf die Ferien übertragen können, war Inhalt meiner Doppelstunde in der 6. Klasse. 

Die Sonderwoche bot mir den idealen Einstieg, da die Kinder für das Thema bereits sehr sensibilisiert waren. Ich erzählte von der UNO mit ihren 17 SDG‘s (Sustainable Development Goals), der Agenda 2030, den 3 Säulen der Nachhaltigkeit (die manchmal auch 4 oder 5 sind) und erkundete mit den Kindern die Fragen: Warum reisen wir? Wie reisen wir? In der Regel planen die Eltern den Urlaub. Bei mir waren zur Abwechslung die Kinder an der Reihe. 

Wohin geht die nachhaltige Reise von 6. Klässlern?

In Gruppenarbeiten durften sie ihrer Fantasie Flügel verleihen und reisen, egal wohin, Hauptsache nachhaltig. Als zusätzliche Freiheit gab ich ihnen keinen Zeithorizont vor. Schnell realisierten sie, dass Nachhaltigkeit und Zeit zwei stark voneinander abhängige Komponenten sind. Die einen wanderten nach Frankreich und nahmen von dort ein Segelschiff nach Irland. Andere fuhren mit dem U-Boot nach Sydney. Ist ein U-Boot überhaupt nachhaltig? Die 3. Gruppe fuhr über Land mit dem Zug nach Tokio. Das liegt doch auf einer Insel! Wie kommen wir vom Festland dorthin? Schliesslich waren ihnen die Zusammenhänge viel bewusster.

Verkehrsmittel und Klimaschutz im Visier

Ein Schüler war etwas beunruhigt, als ich meine Tabelle der CO2-intensivsten Verkehrsmittel und Richtwerte, bis zu welcher Distanz möglichst der Zug genommen werden sollte, zeigte. Er erzählte von einem Wochenende in Hamburg – mit dem Flugzeug. Natürlich war das nicht die nachhaltigste Wahl, doch es ging hier nicht um Verurteilung, sondern um Sensibilisierung. Als Ergänzung erzählte ich den Schülern noch von der Möglichkeit, Flüge zu kompensieren. Swiss bietet hier verschiedene Varianten, u.a. nachhaltigen Treibstoff (SAF). Das ist zwar nicht die ideale Lösung, aber auf alle Fälle besser, als nichts zu tun. Ein Stück weit beruhigte dies den Schüler.

Den Blickwinkel verändern

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sowohl im Alltag als auch in den Ferien, für verantwortungsbewusstes Handeln. Oft sind unsere grössten Feinde Zeit und/oder Geld. Wer wählt nicht lieber den billigeren Flug oder hat nur 1 Woche Urlaub und träumt aber schon lange von New York? Es geht nicht darum, perfekt nachhaltig zu leben oder zu reisen. Das ist gar nicht machbar. Dennoch ist Bewusstsein beim Reisen wichtig für unsere globale Welt – auch das haben die Kinder gelernt. Nach der Sonderwoche und meinem Unterricht hat sich vielleicht ihr Blickwinkel und vielleicht auch schon etwas ihr Handeln hin zu mehr Nachhaltigkeit verschoben. Dann war beides definitiv ein Erfolg für unsere Zukunft, vor allem aber für die Zukunft dieser kreativen und ambitionierten Kinder. 

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